Meine kleine Geschichte aus der Vor-Wende-Zeit


Aschenputtel; mal anders..

nicht zur Veröffentlichung !!!

vizi zur Reisezeit

Es war einmal ein heiteres Mädchen, so um die 40.
Ihre Neubauwohnung lag inmitten einer DDR-Plattensiedlung, auf der grünen Wiese.
Wie viele andere Mädchen in ihrem Alter, war es geschieden und auf der Pirsch nach einem Prinzen.
Fröhlich arbeitete sie auf dem Bau zwischen vielen Handwerkszwergen, die es gut mit ihr meinten.
Sie bauten auch ihre Wohnschachtel in eine gemütliche Höhle um.
Obwohl der eine und andere Handwerkszwerg in ihre Auswahl kam,

träumte sie doch weiter von einem netten Prinzen.

Zwischenzeitlich teilte sie aber erstmal ihre Wohnhöhle mit dem ungarischen
Ritter Imre, den sie über die Grenzen, in die andere Welt schicken konnte.
Plötzlich, unerwartet am Tag X, ward sie von einer verwandten Königin in ein anderes,
fernes Land eingeladen.

Sie bat nun ihren Ost-Kaiser Honni um Erlaubnis und Geleitbrief.
Der Honni-Kaiser hielt Rat und ließ das Mädchen bangen Herzens ziehen.
Er wußte um die Gefahren, die dem Mädchen begegnen konnten.
Von seinem Stadthalter bekam das Mädchen eine Fahrkarte und mürrische Wünsche
auf den beschwerlichen Weg. Dem Mädchen stolperte das Herz im Körper umher,
denn sie hatte vom Stadthalter keine Münzen mit dem Bild des West-Kaisers-Kohl erhalten.
Ihre alten Aluchips nutzten ihr in der Fremde nichts.

Doch bevor sich die Reisekutsche in Richtung Landesgrenze in Bewegung setzte,
eilte der Ritter Imre herbei und brachte ihr ein Säckchen der begehrten Münzen.
Schnell versteckte das Mädchen diesen Schatz in ihrem Wams und bedankte sich artig.
Von nun an hatte sie schreckliche Angst vor den Zollräubern,
Kurz vor der Landesgrenze stopten die grausigen Zollräuber die Kutsche.
Nachdem sie die Reisenden ausgeplündert hatten, ließen sie die Kutsche ziehen.
Dem Mädchen war vor Angst übel. Die Münzen hatte es aber gerettet.
Nach wenigen Kilometern war sie dann im Land des West-Kaisers.
Alles glitzerte und schillerte. Sie konnte sich kaum satt sehen.
Beherzt nahm es eine Münze aus dem Wams und kaufte eine Tasse Kaffee.
Der schmeckte viel besser, als der alte Rondo zu Hause.
Sie hatte sich etwas erholt und brachte die Tasse, wie sie es aus ihrem Land gewohnt war,
in die Posthalterei zurück.
Nur, keiner wollte die Tasse zurück haben!
Also packte es die Tasse sorgsam ein und setzte fröhlich die Reise fort.
Sie war putzmunter und freute sich an den schönen Landschaften und den hübschen Häusern,
an denen sie vorbei reiste. Sie staunte über sie vielen Luxuskarossen der Einheimischen,
die rundum aus Blech waren und anders rochen
als die Plastikwägelchen in ihrer Heimat.

Endlich war sie am Ziel.
Die Königsfamilie holte sie in ihrer Edelkutsche ab.Das Mädchen fühlte sich ganz besonders
begünstigt durch ihren Honni-Kaiser
.
Das Schloß der Königsfamilie stand in einer Reihenhaussiedlung vor den Toren der Stadt Herborn.
Herzlich wurde sie begrüßt und Essen und Getränke gereicht.
Ach, es ging ihr wirklich gut!
Am darauf folgenden Tag hatte die Königin zu einem großen Konfirmationsfest geladen,
zu dem reichlich Gäste kamen. Das Mädchen erfreute sich an den netten, gut gekleideten Menschen,
nahm seine Schürze, die die Königin bereitgelegt hatte, ging in das Kellergewölbe und
sorgte fleißig dafür, das es den Gästen gut mundete und nichts fehlte.
Am Nachmittag durfte sie sich zu den Gästen setzen und von dem Kaffee und Kuchen kosten.

Da saß er plötzlich!!!

Ein Prinz, wie sie ihn schon lange suchte. Prinz Werner.
Was nun???
Etwas ungeschickt versuchte das Mädchen die Aufmerksamkeit des Prinzen zu wecken.
Mehr als freundliche Worte konnte sie jedoch nicht erhaschen.
Nach getahner Arbeit träumte sie die Nacht hindurch.
Der Morgen kam, der Prinz war verschwunden.

Die Königin ließ die Edelkutsche anspannen und zeigte dem Mädchen die Ländereien
und den Luxus, der sie umgab.

Das war dem Mädchen fast zuviel. Sie war überwältigt.
Einwenig überlegte sie, ob sie bei der Königin bleiben und um Unterkunft bitten sollte.
Doch der Tag kam, an dem der Kaiser des Ostlandes das Mädchen gemahnt hatte
zurück zukehren, was sie dann doch brav tat.
Zurück ging es, vorbei an den bösen Zollräubern, die alle Gepäckstücke durchwühlten,
grauen Städten und Dörfern in ihre gemütliche Wohnkiste.
Tagelang berichtete sie den Freunden von ihren Erlebnissen und dem
Glanz der anderen Westwelt.
Von den Münzen hatte sie sich einen goldenen Badeanzug aus einer überfüllten Kiste
im Superladen gekauft. Ihre Freundinnen freuten sich mit ihr und borgten sich den Badeanzug aus.

Von nun an verging die Zeit wieder im Honni-Takt und wenn sie nicht gestorben ist,
lebt sie bestimmt im Westland und hat Prinz Werner geheiratet.